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cracknigger
Stimmt schon, der deutsche Adel hat in großen Teilen seinen Besitz behalten. Das liegt an der deutschen Mentalität, die Besitz liebt und Sachbeschädigung als mindestens so schlimm ansieht wie z.B. Tierquälerei - in anderen Ländern hatte der Adel deutlich stärker unter der Revolution zu leiden.

Aber am Prinzip des Vererbens habe ich nichts auszusetzen. Es ist schon rein evolutionär gesehen nur natürlich, seinen Kindern das bestmögliche Leben bieten zu wollen - dass dadurch ab und an charakterlich Ungeeignete in Positionen von Macht oder Reichtum geraten, ist der unangenehme Nebeneffekt, der aber durch die Abschaffung der Monarchie seine schärfste Kante verloren hat. 

Der Adel hat in Deutschland keinerlei politische Macht mehr. Leute wie von Storch oder von Guttenberg sind politische Randfiguren, über deren Titel man sich eher amüsiert, als sie ehrfürchtig zu bewundern, und auch keineswegs unantastbar, wie man an Guttenbergs Demontage sieht. 

Klar, nach wie vor gibt es absurd reiche Adelsfamilien, die viel wirtschaftliche Macht haben. Genau so gibt es allerdings auch bürgerliche Unternehmerdynastien, die über Generationen ein Firmenimperium aufgebaut haben und mehr Einfluss haben, als sie sollten. Die Adelsfamilien, die heute noch über wirtschaftliche Macht verfügen, sind die, die sich in den Zeiten der industriellen Revolution als gute Investoren erwiesen haben, oder sogar nur Firmengründer, die im 19. Jh. geadelt wurden (Briefadel, bspw. Werner von Siemens). Weder in der Kaiserzeit noch heute bedeutete ein Adelstitel notwendigerweise große finanzielle Möglichkeiten. 

In Deutschland gab es mehrere Tausend Adelsfamilien, wie viele davon sind heute noch übrerregional bedeutsam? Zwanzig?

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Schweinderl